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Von der (unbewussten) Sucht zur freien Wahl

  • Autorenbild: Julia Koch
    Julia Koch
  • 12. Dez. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

Süchte...

Nahezu jeder ist davon betroffen.

Und damit meine ich nicht nur die offensichtliche Drogen-, Nikotin- oder Alkoholsucht. Es sind die unbemerkten oder unauffälligen, gesellschaftlich nicht so sehr geächteten Süchte, die so verbreitet sind:

Netflix, Amazon, oder sonstiges Serien-Binge-Watching, ebenso Youtube- oder Pornosucht,

"Handysucht", sogenanntes Doomscrolling in Socialmedia oder anderswo,

Arbeit, Essen, Süßes, Sex, Masturbation, Putzen, Aufräumen, Joggen, Sport, Fitness, gesunde Ernährung, Selbstoptimierung, Persönlichkeitsentwicklung, in den Kopf gehen und analysieren, emotionale Heilung, Religion, Spiritualität, sich aufopfernd um etwas oder jemanden im Außen kümmern (Kind, Partner, Verein), von Projekt zu Projekt/Baustelle zu Baustelle jagen...


Alles, wirklich ALLES, kann unbewusst als Kompensationsstrategie genutzt werden, um sich nicht zu fühlen. Und das ist für mich die Definition von Sucht. Ein Sich-Betäuben. Ein Dissoziieren. Bewusst oder unbewusst.


Und jetzt mal tief durchgeatmet und Hand aufs Herz...

Bist Du betroffen?

Erkennst Du Dich irgendwo darin wieder?


Gerade das, was uns irgendwie auslaugt und was wir kognitiv betrachtet gerne anders hätten, kann unterbewusst eine gewählte Betäubungsstrategie sein.

Womit lenkst Du Dich ab oder wovon fühlst Du Dich wie gezwungenermaßen abgelenkt?

Ich habe schon viele Süchte nach dieser Definition bei mir festgestellt und auch schon die ein oder andere auflösen können.

Ich habe mich früher in meinem Angestelltenjob aufgeopfert, mich abgearbeitet, mich verantwortlich gefühlt und getan und gemacht und mich aufgeregt, dass ich hier alles retten muss und ohne mich bricht hier eh alles zusammen....

Doch insgeheim hat mich mein Unterbewusstes, wenn ich 12 Stunden mit 120% Engagement im Büro war, davor "beschützt, zu viel freie Zeit" zu haben. Denn was wäre in dieser Zeit passiert?

Ich wäre konfrontiert gewesen mit all den Notzuständen in mir, all den schrecklichen Gefühlen und der schmerzenden und Panik verursachenden Beziehungsunfähigket von mir und meinem damaligen Partner.

Die Sucht, mich für alles verantwortlich zu fühlen, jedem helfen zu müssen, alles möglichst perfekt machen zu wollen, war eine Strategie, um all meine Aufmerksamkeit im Außen zu halten. Auf diese Weise habe ich sogar unbewusst entsprechend "hilfsbedürftige" Menschen und Umstände (wie z.B. steigende Unterbesetzung im Job) in mein Leben gezogen, die dafür gesorgt haben, dass ich "gezwungen" bzw. es möglich war, diese Kompensation weiter auszuleben. Bewusst war mir das alles nicht. Im Gegenteil, ich habe mich darüber beklagt und war wütend über all das und dass ich viel zu wenig Zeit für mich habe...


Auch Nikotinsucht war immer wieder Teil meines Lebens. Zuletzt hatte ich 10 Jahre erfolgreich nicht mehr geraucht und dann doch wieder schleichend angefangen...

Gegen Süchte mit Disziplin zu kämpfen oder mit Verhaltenstraining kann evtl. zeitweise eine Veränderung bringen oder vielleicht eine Symptom- oder Suchtverlagerung verursachen.

Die Wurzel kann m. E. auf diese Weise niemals gelöst werden. Dies ist jedoch erforderlich, wenn wir tatsächlich frei von dieser Kompensationsstrategie werden möchten.


Was ist also nötig, um wirklich die Ursache einer Sucht zu lösen, was dann automatisch das Kompensationsverhalten überflüssig macht?

Ich habe erfahren, dass es meist ein ganz konkretes Gefühl gibt und auch eine Ausgangssituation die Auslöser speziell dieser Sucht sind.

Mit körperorientierter Traumatherapie ist es möglich, diesem Ursprungs-Gefühl behutsam zu begegnen. So langsam, wie es nötig ist, um die Intensität zu fühlen UND gleichzeitig präsent als Erwachsener dabei bleiben zu können, ohne sich darin zu verlieren.


Diese fühlende Begegnung ist ausschlaggebend.

Denn was wir hier erfahren ist zweierlei:


Erstens fühlen wir den Notzustand, der für die kindlich-abhängige Wahrnehmung von damals zu überwältigend war, um das Gefühl zu Ende zu fühlen und zu verarbeiten und deshalb abgespalten und eingefroren wurde. Es gibt in uns also einen Anteil, der das IMMER so fühlt. Von diesem wollen wir durch das Kompensationsverhalten weg. Wir betäuben uns, um ihn und damit einen Teil von uns selbst, nicht zu fühlen.


Zweitens nehmen wir wahr, dass jedes Mal, wenn wir das Suchtverhalten ausleben, wir die Verbindung oder besser Verstrickung zu dieser Situation und diesem Zustand aufrecht erhalten, obwohl wir damit ja eigentlich davon weg wollen.


Darin liegt für mich der lösende Wendepunkt:

Wenn wir sowohl das unterdrückte Gefühl im Kontext des Notzustandes von damals erfahren haben, als auch erleben, dass wir diese Not durch unser Flucht-Verhalten für diesen abgespaltenen Anteil aufrecht erhalten und befeuern, dann hat man plötzlich zum ersten Mal wirklich eine Wahl, weil eben alles bewusst geworden ist und "auf dem Tisch liegt".


Möchte ich das? Möchte ich, dass mein kindlicher Anteil allein ist mit diesem schrecklichen Gefühl? Möchte ich ihn weiter ignorieren, wie er bereits von meinen Eltern ignoriert wurde? Möchte ich mich ihm und seiner Not gegenüber bewusst betäuben, ihn gewaltsam in Einzelhaft halten in einer schalldichten Gummizelle, alleine mit seinem Horror?

Und möchte ich diese Verbindung zu dieser Auslösesituation permanent aufrecht erhalten, indem ich immer wieder zur damals gewählten Suchtstrategie greife, die eigentlich dafür sorgen sollte, davon weg zu kommen?


Für mich war die Antwort sehr schnell und sehr leicht.


NEIN! Auf gar keinen Fall!


Und damit war meine Nikotinsucht erledigt.

Ohne Disziplin, ohne Pflaster, ohne Körpersymptome.

Einfach durch bewusste Wahl, bewusste Entscheidung.

Eine Entscheidung für mich! Für dieses verlorene Kind in mir, dass nun nicht länger von mir verstoßen wird.

Die paar Tage Sehnsucht und mies drauf sein, weil der Griff zur Zigarette keine Option mehr ist, ist NICHTS gegen das dauerhafte Leiden, dass ich dadurch beenden konnte. Das wusste ich nun, denn ich hatte es nun ganz gefühlt.


Deshalb ist das Fühlen und Wahrnehmen so wichtig. Die Lösung ist nicht kognitiv herbeizuführen.



Vielleicht magst Du Dich das auch fragen. Wem weichst Du in Dir aus? Was muss in Dir aktuell noch betäubt werden? Und mit welcher Strategie, die Dich eigentlich retten soll, hältst Du dieses Leiden unbewusst aufrecht?

Wenn Du das für Dich herausfinden willst, um eine bewusste und freie Wahl treffen zu können, dann melde Dich gerne bei mir. Mit der somatisch-spirituellen Traumatherapie können wir uns dem Thema der Sucht auf achtsame Weise in Einzelsitzungen oder in der VON TRAUMA ZU LIEBE Aufstellungsarbeit nähern.


Und eines ist mir noch ganz wichtig zu sagen:

Dass Du diese Kompensationsstrategie ausgebildet hast, war eine absolut notwendige und sinnvolle Anpassungsleistung Deines Nervensystems.

Es gibt überhaupt keinen Grund, sich dafür zu schämen oder zu verurteilen. Im Gegenteil: wir haben diesen Anpassungsleistungen unser Leben und unsere geistige Gesundheit zu verdanken. Auch diesen Aspekt zu fühlen, wertschätzende Anerkennung, ja vielleicht sogar Dankbarkeit dafür zu empfinden, ist wichtiger Teil dieser Reise.

Und selbst, wenn wir uns nicht gleich ganz von der "alten" Kompensationsstrategie verabschieden können und zwischendurch das Altbekannte wählen: solange wir es bewusst tun, ist es dennoch plötzlich eine freie Wahl statt unbewusster Automatismus. Und das ist der Weg raus aus Schuld und Opferdasein in Eigenverantwortungsübernahme und Schöpferkraft.


Ich freue mich über Deine Kontaktaufnahme!


Deine Julia

Somatisch-spirituelle Traumatherapeutin


von www.ganzwerden.net

 
 
 

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